Interview mit dem Geschäftsführer der Stadtwerke Ludwigsfelde, Roberto Ola

Seit Monaten schnellen die Preise besonders für Gas und Strom in die Höhe, reißen mehrjährige Rekordstände. Welche Ursachen gibt es hierfür?

Die Ursachen sind vielfältig, der Hauptgrund ist sicher die wirtschaftliche Erholung nach der abflauenden Pandemie, die teilweise schneller verläuft als erwartet und damit verbunden, eine starke Nachfrage nach Energierohstoffen. Ein weiter Faktor ist die CO2-Bepreisung. Industrieunternehmen und Kraftwerksbetreiber in der EU müssen für ihren CO2-Ausstoß sogenannte Emissionszertifikate vorhalten. Die Preise für diese Zertifikate sind in den vergangenen Monaten massiv gestiegen. Ich schließe auch nicht aus, dass Finanzspekulanten die Energiemärkte für Ihre Interessen missbrauchen.

Warum haben so viele Energieanbieter Ihren Kunden gekündigt oder gehen insolvent?

Nach Angaben der Bundesnetzagentur mussten im Jahr 2021 insgesamt 39 Energielieferanten ihr Geschäft aufgeben. Im Vergleich zu vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Insolvenzen damit nahezu verdoppelt. Meist handelt es sich dabei um Billig-Anbieter, die ihren Kunden niedrige Preise garantiert hatten, die sie bei den steigenden Energiekosten jetzt nicht mehr finanzieren können.
Ihr Geschäftsmodell: In letzter Sekunde Schnäppchen machen und die Kunden mit vermeintlich günstigen Offerten ködern. Rasant steigende und auf hohem Niveau schwankende Preise am Spotmarkt, also dem Markt, an dem Energie kurzfristig beschafft wird, bringen dann Probleme. Die Folgen sind bekannt: Insolvenzen, rechtlich fragwürdige Kündigungen und häufig exorbitante Preiserhöhungen. Aber es geht noch dreister. Offensichtlich haben einige Anbieter ihren Kunden gekündigt, um die freiwerdenden Energiemengen mit satten Gewinnen im Großhandel zu verkaufen – staatsanwaltliche Ermittlungen laufen.

Wie kann man sich als Kunde vor solchen enormen Preiserhöhungen schützen?

Bisher war das Versorger-Hopping für Kunden ohne großes Risiko: Wenn ein Billiganbieter in die Insolvenz ging, dann war schlimmstenfalls die Vorauszahlung weg, aber der Grundversorger musste bereitstehen und den Kunden in seinen Grundtarif aufnehmen. Die Preisunterschiede waren dabei überschaubar. Im Einzelfall war das kein Problem. Wenn das aber zu einem Massenphänomen wird, zwingt es die Grundversorger ihre Preise zum Teil massiv zu erhöhen – die Risiken für alle Beteiligten steigen. Eines sollte doch jedem klar sein: Supergünstig geht nicht ohne Risiko.

Als Geschäftsführer der Stadtwerke kann ich mit gutem Gewissen empfehlen auf unsere Angebote zu vertrauen. Als Ludwigsfelder Unternehmen stehen wir für faire Preise. Bei uns gibt es keine Lockangebote, Wechselprämien oder ähnliches Blendwerk sondern solides energiewirtschaftliches Handwerk. Langfristig fahren Sie damit besser.

O.k. – Wie wirkt sich denn die aktuelle Situation bei den Stadtwerken Ludwigsfelde aus?

Bei den Stadtwerken Ludwigsfelde haben wir ein langfristig orientiertes Einkaufsmodell für Strom und Gas. Der Einkauf erfolgt über einen Zeitraum von mehreren Jahren und zwar handelstäglich. Die Auswirkungen von Preisschwankungen werden hierdurch gedämpft. In Phasen stark ansteigender Preise, wie wir sie aktuell sehen, profitieren unsere Kunden ganz besonders von diesem Effekt. Ein wichtiger Baustein unseres Modells ist auch die Bedarfsprognose, also die Frage, wieviel Energie wir im jeweiligen Lieferjahr benötigen. Wir orientieren uns hierbei weitgehend am Bedarf unserer Bestandskunden. In den letzten Jahren hat sich dies bestens bewährt. Wenn aber, wie in der aktuellen Situation, andere Lieferanten ihren Lieferverpflichtungen nicht mehr nachkommen und ihren Kunden kündigen oder sie mit extremen Preiserhöhungen verprellen, können wir die hieraus entstehende zusätzliche Nachfrage nicht bedienen, ohne zusätzliche Energiemengen zu den aktuell sehr hohen Marktpreisen nachzukaufen.
Wir haben deshalb entschieden, unsere günstigen Ludwig-Energieprodukte für neue Kunden nicht mehr anzubieten. Sobald sich die Märkte wieder beruhigen, werden wir diese Entscheidung überprüfen. Als örtlicher Grundversorger sorgen wir aber in jedem Fall dafür, dass zumindest für alle Haushaltskunden, also auch für Neukunden, die Energieversorgung gesichert ist. Hier berücksichtigen unsere aktuellen Preisstellungen bereits die erwarteten Entwicklungen von Nachfrage und erhöhten Einkaufskosten.

Gestatten Sie mir bitte noch einen kurzen Ausblick auf 2023. Leider können wir nicht zaubern. Auch bei uns wird sich die Entwicklung der letzten Monate hin zu hohen Großhandelspreisen für Energie und Emissionsrechte letztlich in den Verkaufspreisen für Strom und Gas niederschlagen. Allerdings erwarten wir hier ein Gegensteuern auf der politischen Ebene. Strom- und Gaspreise enthalten erhebliche staatlich begründete Anteile in Form von Steuern und Abgaben. Hier deutet sich ein Nachsteuern im Sinne der Verbraucher an. So ist die die Streichung der sogenannten EEG-Umlage auf den Strompreis offensichtlich bereits eine beschlossene Sache. Für eine Prognose zum künftigen Preisniveau ist es deshalb noch zu früh. Auf jeden Fall arbeiten wir intensiv daran, unseren Kunden weiterhin ein auch auf lange Sicht günstiges, sicheres und faires Preisniveau zu bieten.

Vielen Dank.